Die Kodak Retinette ist ein Klassiker der Fotographie
Okt 24
Die Kodak Retinette gilt auch heute noch als ein vereinfachtes Modell der beliebten Retina-Serie von Kodak. Auf Features wie ein Entfernungsmesser und ein Wechselobjektiv musste gänzlich verzichtet werden bei dieser besonderen Kamera von Kodak. Dennoch mauserte sich die Kamera Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts zu einer beliebten mechanischen Backup-Kamera. Gerade Anfänger und semiprofessionelle Fotografen entdeckten die Vorzüge der Kodak Retinette und nutzten die Kamera, um besondere Augenblicke festzuhalten und mit der relativ neu aufgekommenen Fototechnik nach Belieben zu experimentieren.
Ausstattungsmerkmale wie ein 45/2.8 Objektiv, ein so genannter Selenbelichtungsmesser oder ein Prontor-Verschluss waren zwar zu der Zeit nicht einzigartig, sprechen aber für die gute Technik der Kamera. Was die Retinette aber damals den anderen Kameras voraushatte, war der so genannte „hot shoe” oder Blitzschuh, der eine einfache Handhabe des Blitzgerätes gewährleistet. Die Schärfentiefe des Objektes der Retinette erlaubt es auch ohne Entfernungsmesser scharfe Aufnahmen von allerlei Objekten zu machen. Auch Fehlbelichtungen kommen dank des vorhandenen Belichtungsmessers im Regelfall nicht zustande. Ein Schnelltransporthebel erleichtert das Verwenden des Suchers. Die auf das minimalste beschränkte Technik setzt sicherlich Grenzen, erlaubt gleichwohl aber auch viel kreativen Spielraum in den Aufnahmen. Auch ohne LCD, einem optischen Megazoom, einem Multi-point-Autofocus, Gesichtserkennung und anderen Features belegen diverse Aufnahmen aus der Zeit, dass Fotografiekunst nicht zwangsläufig von Technik abhängt. Neben verschiedenen technischen Möglichkeiten wartet die Retinette vor allem mit ihrem äußerst robusten Gehäuse auf. Eine ausgesprochen stabile Konstruktion erlaubt es, die Kamera zu nahezu jedem Einsatz unbeschwert zu transportieren.
Das erklärt, warum es auch heute, immerhin fast ein halbes Jahrhundert später, noch derart viele funktionierende dieser Kameras gibt. Auch die empfindlichsten mechanischen Teile weisen kaum Verschleißspuren auf. Nachteil ist natürlich der nicht vorhandene Entfernungsmesser, auch wenn sich dessen Funktion weitestgehend kompensieren lässt. Im Gegensatz zu der Retinette 1A besitzt die Retinette 1B zur Freude vieler einen Belichtungsmesser. Die Firma Kodak stellte ihre Kameras zur damaligen Zeit noch in Baden-Württemberg, in Stuttgart, her. In Stuttgart war die Firma Nagel ansässig, die Kodak aufkaufte, um sich zu vergrößern. Damals wie heute erfreuen sich insbesondere die Retina-Modelle von Kodak vieler Freunde, die zuerst als so genannte Messsucherkamera mit einem Faltbalgen, dann als Spiegelreflexkamera vertrieben wurden. Die Kodak Retinette weist viele technische Ähnlichkeiten zu den Retina-Modellen auf.
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